Johann Baptist Berger über die Riedgasse (Seestraße West) im Jahre 1916:
Wenn ich in einer illustrierten Zeitschrift ein Bild sehe, das ein recht armes Fischerdorf, irgend an dem Gestade eines Sees darstellt, mit einer Reihe recht verwarloster Fischerhütten, so denke ich manchmal, so sah gerade die Riedgasse aus, vor 60 – 65 Jahren. Ein Haus verwahrloster als das andere, lauter ehlende Hütten. Keine rechte Straße. Von einer Eindammung deß Seeufers war keine Rede, der See lekte halb in die Strasse hienein. War der See nur ein wenig über normal, so mußte man im Wasser hin und her fahren. Jetzt ist es freilich ganz anders, eine schöne Straße und ganz nette große und kleine Wohnungen.
Johann Baptist Berger über das Haus Nr. 93 (Seestraße West 28) im Jahre 1916:
Der Eigentümer Lukas Buchstor, verkaufte das Haus an Lorenz Meichle, Schiffmann und kaufte das neugebaute im Grundacker von seinem Bruder Melchior. Meichle verunglückte im Jahre 1858 in Konstanz, indem ihn ein Wagendeichsel in den See schlug. Die Wittwe heurathete den Johann Sporädle vom Wasserburgischen herunter, der mit seinen Stiefsöhnen das Geschäft gut betrieb. Nach seinem Tod übernahm Kristian Meichle. Im Sommer 1901 brannte das Haus ab.
Das Haus Nr. 93 (Hermann Birkhofer, Juli 2000)
Elfriede Mohr über das Haus 2004:
Dieser Christian Meichle hatte einen Sohn und vier Töchter. Der Sohn Josef, er war der jüngste, hatte noch einen Beinamen und zwar Stresemann. Er hatte die Gabe, brillante Reden zu halten, deshalb der Beiname nach dem bekannten Politiker der Weimarer Zeit. In jungen Jahren mußte er an Tuberkulose sterben, er hatte sich beim Motorradfahren erkältet. Damals kannte man das lebensrettende Penizillin noch nicht. Die Tochter des Christian, Berta Birkhofer geb. Meichle übernahm und übergab ihrem Sohn Artur, dem heutigen Besitzer. Artur Birkhofer hat einen Sohn Hermann und eine Tochter, die im nahen Württembergischen verheiratet ist.
So sieht diese Stelle heute - 2016 - aus (Bild: Christian Rebstein)
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